Ich möchte heute mal mit dir auf diesen „Hype“ gucken und meine Gedanken dazu mit dir teilen.
Regulation und der Vagusnerv
Das Netz ist voll von Regulationsideen rund um den Vagusnerv. Im Prinzip eine schöne Idee, aber die Darstellung und Aufforderungen dazu finde ich häufig wenig hilfreich. Wie heißt es so schön: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“.
Warum?
In meinen Augen wird es häufig so dargestellt, dass wir bestimmte Übungen einfach regelmäßig machen müssen und dann ist alles wieder fein. Vagusnerv aktiviert – Welt wieder in Ordnung 🌈.
Das wäre echt schön, ist aber leider nicht so.
Lass uns mal vorne anfangen…
Was ist eigentlich der Vagusnerv?
Der Vagusnerv ist der 10. Hirnnerv, der Nervus vagus. Häufig auch als Erholungsnerv bezeichnet. Der Nervus vagus gehört zum parasympathischen Nervensystem, also zu dem Bereich des autonomen Nervensystems, der für die Beruhigung und Entspannung zuständig ist. Das parasympathisch Nervensystems hat auch einen Auftrag, wenn wir in Lebensgefahr sind, aber dazu mal an anderer Stelle mehr.
Wir gucken heute auf den Ast des Erholungsnervs, der in Sicherheit aktiviert wird. Für und während Entspannung, Verbindung und wohliger Ruhe.
Hilft der Vagusnerv also nicht bei der Regulation?
Doch, aber 😉….
Es ist auch in meinen Augen so, dass es hilfreich ist, den Erholungsnerv zu aktivieren, wenn wir nervensystemseitig aus der Balance sind. Uns also in Übererregung oder Untererregung befinden.
Mir ist zum einen aber die Haltung, das „Warum“ sehr wichtig und zum anderen das „Wie“.
Lass uns zuerst mal auf das „Warum“ schauen:
- Warum werden Regulationsübungen gemacht?
- Was soll passieren?
- Was ist die Erwartungshaltung?
Innere Haltung oder Erwartung und Regulation
Unsere Haltung hat eine große Auswirkung auf unser Tun.
Wenn wir zum Beispiel etwas tun, beispielsweise eine Regulationsübung, um etwas wegzubekommen, macht das schnell Druck und Stress. Dir und deinem System. In unseren Nervensystemprägungen stecken häufig auch Überlebensstrategien. Und diese werden „lauter“, wenn wir sie wegbekommen wollen. Denn sie wollen unser Leben schützen und wenn sie weg wären, dann könnten sie das nicht mehr. Also müssen sie sich wehren .
Ist es hingegen so, dass wir Regulationsideen ausprobieren, um durch sie besser durch unregulierte Momente zu kommen, ist es einfach ein Angebot für unser gesamtes System. Das macht in den meisten Fällen viel weniger Druck. Es fällt unserem (Nerven)system dann viel leichter es auch anzunehmen. Unsere Überlebensstrategien müssen nicht laut werden und für ihren Erhalt kämpfen.
Regulation und unrealistische Versprechungen
Über die beschriebene Problematik hinaus, finde ich das oben genannte Versprechen („Vagusnerv aktiviert – Welt wieder in Ordnung“) außerdem sehr frustrierend für all die Menschen, die so sehr auf der Suche nach Hilfe sind. Sie sind dann oft ein weiteres Mal enttäuscht von sich selbst, weil sie es nicht schaffen. Das kann schnell eine Wut auf sie selbst machen, was wiederum zu dysregulierten Zuständen führen kann. Mein Fazit ist daher, dass es wirklich aus vielerlei Sicht ein unglückliches Versprechen ist….
Regulation und die Sache mit dem „Wie“
Wenn wir nun mal auf das „Wie“ schauen, ist auch das interessant.
Immer wieder sind Aufforderungen zu lesen oder zu hören, wie zum Beispiel: „Wenn du diese Übung ab heute 3x täglich für 5 Wochen machst, dann findest du heraus aus der Stressfalle“.
Ich erlebe es so nicht.
Wenn wir Interventionen, egal wofür, einfach nur „abarbeiten“ oder sie irgendwie nebenbei machen, werden sie uns meistens wenig helfen. Wir können uns nicht nebenbei regulieren, während wir mit allem anderen so weitermachen. Die Interventionen kommen dann nicht an. Wir können zwar ein Haken auf unserer Liste machen, aber darum geht es ja nicht. Wir wünschen uns ja Veränderungen und keine Haken ✅.
Damit sich unser Nervensystem regulieren kann, braucht es einen bewussten Moment, eine ehrliche Zuwendung. Zeit und Muße. Häufig außerdem noch einen Blick auf das Drumherum. Auf deinen Tagesablauf, deine Gewohnheiten, dein Umfeld und manch anderes mehr.
Es ist in der Regel nicht mit der Abarbeitung von Übung xy erledigt. Auch wenn es schön wäre, da bin ich bei dir 😉.
Zu all diesen Dingen braucht unser Nervensystem dann auch noch etwas Übung. Es ist es ja nicht gewohnt, dass wir uns ihm zuwenden und uns regulieren möchten. Bisher haben wir uns vermutlich irgendwie „durchgemogelt“ oder abgelenkt. Darum darf diese neue Herangehensweise trainiert werden. Es müssen sich ja Nervenzellen neu verbinden. Das braucht Zeit und Wiederholung.
Reflexionsidee für dich
Vielleicht magst du dich, mit diesen Zeilen im Hinterkopf, einmal fragen:
🧐Wie ist deine Haltung bezüglich Regulationsinterventionen?
🧐Mit welcher Erwartung oder welchem Wunsch gehst du an sie heran?
🧐Nimmst du dir einen bewussten Moment Zeit für das, was du machen möchtest?
🧐Was sagt dein Blick auf das „Drumherum“?
Ich würde mich freuen, wenn dich meine Zeilen inspirieren, einmal anders auf dieses gehypte Thema mit der Vagusaktivierung zu schauen. Vielleicht kann ich dir ein wenig den Druck nehmen und dir Mut machen, dir Zeit zu geben.
Ich würde mich für dich freuen!
Alles Liebe für dich,
Deine Claudia 💜
Autorin: Claudia Süsens
https://coachingpraxis-
Hallo feiner Mensch, ich bin Claudia. Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coach für ganzheitlich-integrative Traumaarbeit und Karriere-Navigator-Coach.
Ich begleite und unterstütze dich während Verarbeitungsprozessen, bei persönlichen oder beruflichen Herausforderungen und Krisen. Achtsam, traumasensibel und zugewandt.
Vielen Dank für Dein Interesse, ich freue mich, dass Du hier bist!




