Ich möchte heute noch einmal beleuchten, was es mit diesem „Mysterium“ auf sich hat und wie wir Traumasensibilität im Alltag leben können.
Über Traumasensibilität in der Therapie und im Coaching habe ich bereits einen Artikel geschrieben. Wenn du diesen noch nicht gelesen hast, schau gerne einmal hier.
Heute wird es um Traumasensibilität im „übrigen“ Leben gehen. Um das, worauf du im Alltag achten kannst, wenn du magst.
Das hört sich interessant für dich an? Dann lass uns loslesen 📚.
Ein sensibler Umgang – nur bei Trauma?
Nein. Eine sensible, eine aufmerksame Tages- und Lebensgestaltung ist für jeden Menschen wohltuend!
Menschen ohne Trauma und Traumafolgesymptomen im Gepäck fällt es jedoch häufig viel leichter die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und sie zu berücksichtigen. Darum thematisiere ich es an dieser Stelle so traumaspezifisch.
Fühle dich also eingeladen, auch ohne Trauma im Gepäck, diesen Artikel zu lesen und für dich hilfreiche Ideen mitzunehmen 😊.
Wie traumasensibel ist dein Alltag?
Bevor ich mit meinen Ideen komme, lass‘ uns doch mal auf deinen Tag schauen. Vielleicht einmal auf einen üblichen Wochentag und einmal auf einen üblichen Wochenendtag.
Damit du deine Erkenntnisse übersichtlich hast und sie für dich nutzen kannst, hole dir gerne ein Notizbuch oder ein Blatt Papier – und natürlich einen Stift, den du magst.
Ach, da kommt mir doch direkt noch eine Frage an dich 😅:
Passt es jetzt gerade überhaupt in deinen Tagesablauf hinein oder würden dieser Blogartikel und die Beantwortung meiner Fragen zu einem anderen Moment stimmiger sein? Hast du gerade ausreichend Ruhe und Muße? Fühlst du sicher genug in dir selbst, um dich dir zuzuwenden?
Nein? Dann freue mich, wenn du dir zu einem späteren Zeitpunkt einen Moment für meine Worte und meine Fragen nimmst. Gegebenenfalls auch gemeinsam mit einem für dich sicheren Menschen, so dass du Unterstützung hast, falls meine Fragen dich aufwühlen. Und übrigens – zu bemerken, dass es gerade nicht passt, dass es gehetzt oder im Vorbeigehen konsumiert wäre und es dann sein zu lassen, das ist traumasensibles Umgehen mit dir selbst 🥰🎉.
Du hast gerade ausreichend Ruhe, Muße und Lust? Dann freue ich mich, dass du mir zuhörst und dir Zeit für dich nimmst!
Brauchst du noch etwas für einen guten Moment mit dir? Einen Kaffee oder Tee? Eine Kuscheldecke? Etwas anderes? Hole es dir gerne und dann lass und loslegen.
Traumasensibilität – deine kleine Bestandsaufnahme
Schreibe dir gerne mal die Punkte aus deinem Tagesablauf auf. Was erledigst du an einem üblichen Wochentag/Wochenendtag? Mache dir gerne eine Stichpunktliste. Vielleicht hilft auch der parallele Blick in deinen Kalender der letzten Tage. Denn manchmal tun wir unsere Dinge so automatisiert, dass wir sie gar nicht mehr wirklich wahrnehmen. Schreibe auch die vermeintlich kleinen Dinge auf.

Wenn du jetzt auf deine Übersicht schaust, welches Körpergefühl nimmst du wahr? Spüre gern einen Moment nach und schreibe es auf.
Welches konkrete Gefühl in welcher Körperregion macht sich bemerkbar?
Ist es ein Druck im Bauch, ein Kloß im Hals oder ist es eine freudige Erregung in den Beinen? Was spürst du?
Nimm es gerne ausschließlich wahr, ohne es zu bewerten.
Als nächstes könntest du dich fragen, welche Emotion sich in dir zeigt, wenn du deine Aufschreibung anschaust – was zeigt sich?
- 😃 Freude ?
- 😡 Wut?
- 🥰 Leichtigkeit?
- 😢 Traurigkeit?
- ….
Vielleicht magst du zusätzlich auch durch die „Nervensystembrille“ auf deinen Tag schauen. Dafür habe ich nochmal das Stresstoleranzfenster abgebildet. Ich habe es durch Verena König kennengelernt. In die Welt gebracht wurde es allerdings durch Daniel Siegel als „Window of Tolerance“. Ich empfinde es als eine sehr gute Möglichkeit uns über unsere verschiedenen Nervensystemzustände bewusst zu werden.
Innerhalb des Fensters (der beiden roten Striche) befinden wir uns IM Fenster. Also in der Balance. Es sind sympathische und parasympathische Nervenfasern in einem Zustand der inneren Sicherheit aktiviert. Wir fühlen uns sicher und verbunden. Mit uns selbst und der Welt. Auch innerhalb dieses Fensters können wir sehr erregt sein, aber eben noch reguliert und nicht „außer Rand und Band“.
Außerhalb der beiden roten Linien geraten wir dann, wenn wir in Gefahr oder Lebensgefahr sind ODER wenn unser System davon ausgeht. In beiden Fällen sind wir disreguliert und unverbunden zu uns selbst und der Welt.
Unser Körper fährt dann ein automatisiertes Überlebensprogramm. Wenn wir Trauma oder schwere Prägungen im Gepäck haben, gibt es häufig Auslösereize, die uns, auch ohne tatsächliche Gefahr, in einen disregulierten Zustand bringen.
Diese Auslösereize zu kennen, ist ein hilfreicher Schritt auf unserem persönlichen Integrationsweg mit unserem Trauma.

Wenn du durch die Brille deines Nervensystems auf deine unterschiedlichen Tagespunkte und Aufgaben schaust – wo befindest du dich jeweils im Stresstoleranzfenster?
- Bewegst du in einem üblichen Tag innerhalb deines Stresstoleranzfensters?
- Eher oben oder eher unten?
- Oder ganz verschieden?
- Gerätst du auch mal heraus?
- Eher in die Übererregung oder in die Untererregung?
- Wann passiert was?
- Wie gelangst du zurück in dein Fenster?
- In welchen Bereich hältst du dich überwiegend auf?
Notiere dir gerne alle deine Erkenntnisse und vielleicht auch Bemerkungen, die du für dich hast.
Vielleicht magst du an dieser Stelle einmal kurz innehalten. Manchmal ist es sehr berührend, sich das einmal so klar bewusst zu machen.
Vielleicht magst du auch eine Hand auf deine Brust legen oder dich anderweitig wohlwollend berühren und einen tiefen Atemzug nehmen. Schaue dich gerne in Ruhe in deinem Raum um, und nimm einmal bewusst war, dass du gerade in deinem Raum bist und dass du im Hier und Jetzt bist und gerade schreibst, bzw. jetzt eine Pause machst.
Ich lade dich ein, dir für dieses Durchschnaufen einen Moment zu nehmen und gerne auch wieder bewertungsfrei reinzuspüren, was sich jetzt gerade zeigt. Im Körper, emotional, in deinen Gedanken. Was ist jetzt gerade da?
Falls du eine Unruhe oder eine Starre fühlst – wer oder was kann dir jetzt helfen, damit du dich wieder regulierten kannst? Was brauchst du jetzt?
Wie könntest du deinen Tag traumasensibler gestalten?
Hierbei geht es ganz viel darum, zu spüren, was gut für dich ist. Welche Bedürfnisse du hast. Und darum, diese Wahrnehmungen zu berücksichtigen oder auch für Ausgleich zu sorgen, wenn du Dinge anders machen musst, als es für dich und dein System sinnvoll und wohltuend ist.
Fragen hierfür könnten sein:
- Wie sprichst du (innerlich) mit dir?
- Wie gehst du mit dir um?
- Hast du genügen Kontakt zu anderen Menschen oder ist es zu viel oder zu wenig?
- Findet dein Bedürfnis nach Bindung genügend Raum
- Findet dein Autonomiebedürfnis genügend Raum?
- Gönnst du dir genügend Ruhe?
- Bewegst du dich so viel, dass es dir gut damit geht?
- Machst du ausreichend Pausen?
- Ist deine Ernährung fürsorglich und nährend?
- Haben deine Aufgaben die für dich passenden Anforderungen oder überforderst/unterforderst du dich?
- Passt deine Terminplanung für dich oder ist dein Kalender zu leer oder zu voll?
- Wie sind deine Ansprüche an dich? Sind sie wohlwollend und angemessen oder eher perfektionistisch oder auch gleichgültig?
- Passen die Beziehungen, die du lebst zu dir und deinen Bedürfnissen?
- Hörst du deinen Körpersignalen zu und richtest dich nach ihnen?
- Passt deine Freizeitgestaltung/Urlaubsgestaltung zu deinen Bedürfnissen?
Traumasensibilität und dein inneres Sprechen
Diesen Punkt möchte ich nochmal näher anschauen. Weil es so essentiell ist und weil so viele von uns, schlecht mit sich sprechen und es manchmal gar nicht mehr merken.
Wie sprichst du (innerlich) mit dir?
Horche mal in dich hinein…..
Wenn dir ein Missgeschick passiert, was sagst du zu dir?
Warum ist das so wichtig? Zum einen, weil es uns einfach nicht guttut. Wir sind fühlende Wesen und wenn jemand schlecht/abwertend/hart mit uns spricht, macht es etwas mit uns. Es geht gegen unser psychisches Grundbedürfnis der Bindung und der Herstellung guter Gefühle.
Zum anderen können wir mal evolutionär darauf schauen. Aus dieser Sicht ist es so, dass früher bei einem negativen/abwertenden/harschen Reden mit uns, stets die Gefahr im Raum stand, dass die andere Person uns ausgrenzt, dass wir nicht mehr dazugehören. Das war früher lebensgefährlich. Nur in der Gruppe konnten wir überleben, nur dann waren wir sicher.
Dieses Wissen ist noch in uns. Darum fühlt sich Ausgrenzung auch so schlimm an und darum fühlt sich eben auch ein abfälliges Reden mit uns so bedrohlich an. Wir empfinden dann häufig die Abwertung unserer Person und das ist auch für unser heutiges System noch gefährlich.
Beim schlechten Sprechen mit uns selbst kommt noch ein anderer Aspekt hinzu:
Wenn wir selber abfällig mit uns sprechen, dann bestätigen wir die Stimmen, die in der Vergangenheit so mit uns gesprochen haben oder schlecht mit uns umgegangen sind. Wir geben ihnen recht. Unsere versehrten Persönlichkeitsanteile werden darin bestätigt, dass sie schlecht sind und es nicht anders verdient haben. Wir vertiefen unbewusst die Wunde, die wir eigentlich so gerne heilen lassen würden.
Darum ist der wohlwollende Umgang mit dir selbst so ein essentieller Schritt!
Meine herzliche Ermutigung für dich ist darum: Versuche zu beginnen, so mit dir zu sprechen und so mit dir umzugehen, wie du es dir immer von anderen (zum Beispiel deinen wichtigsten Bezugspersonen) gewünscht hast.
Es wird noch nicht immer gelingen. Es ist ein Weg, ein Prozess. Aber es wird leichter werden.
Was nimmst du heute für deine Traumasensibilität mit?
Jetzt, nach dem Lesen dieses Artikels – was nimmst du für dich mit? Was möchtest du gerne anders gestalten?
Vielleicht magst du es in den Kommentaren mit uns teilen? Ich würde mich freuen.
Vielen Dank für dein Interesse an meiner Arbeit und dass du bis hierher gelesen hast. Danke!!
Alles, alles Liebe für dich und viel Muße und Kraft für deinen Integrationsweg,
Deine Claudia 💜
Autorin: Claudia Süsens
https://coachingpraxis-
Hallo feiner Mensch, ich bin Claudia. Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coach für ganzheitlich-integrative Traumaarbeit und Karriere-Navigator-Coach.
Ich begleite und unterstütze dich während Verarbeitungsprozessen, bei persönlichen oder beruflichen Herausforderungen und Krisen. Achtsam, traumasensibel und zugewandt.
Vielen Dank für Dein Interesse, ich freue mich, dass Du hier bist!




