In diesem Beitrag geht es darum, warum dieses Ganze „Werde die beste Version deiner Selbst“ in meinen Augen unglaublich viel Druck macht und alles andere als „Achtsam“ ist, aber gerne in dieses Gewand gekleidet wird.
Du hast Lust dieses Thema einmal mit mir zu beleuchten? Dann komm mit 😊.
Selbstoptimierung und „Werde die beste Version von dir selbst…“
Vielleicht hast du diese Aufforderung auch schon gehört? Oder auch Sätze wie
„Wenn du jeden Morgen xyz machst, dann wird es dir besser gehen.“
Es gibt so viele Themen, zu denen wir solche Aufforderungen erhalten:
🏋️ zum Sport
🍔 zur Ernährung
🧘 zur „achtsamen“ Morgenroutine
💅 zur (Haut)pflege
🧐 zu ….
Der Tenor ist meist gleich: Wenn du nur regelmäßig und diszipliniert xyz machst, dann wird es dir besser gehen, dann wirst du die beste Version von dir selbst.
Diese letztgenannte Formulierung finde ich besonders schwierig. Denn „beste“ ist ein Ausdruck von Perfektion. Perfektion macht in der Regel Druck und löst innerlichen Stress aus.
Denn Perfektionismus bedeutet, dass gut nicht reicht, sondern dass es eben perfekt sein muss.
Und wenn wir jetzt mal ganz sachlich drauf gucken und uns fragen: Ist es überhaupt möglich irgendetwas perfekt zu machen? Also so, dass es nicht besser geht? Und wenn es ginge, wäre es dann erstrebenswert oder macht so eine Anforderung (an uns selbst) nicht ungeheuren Druck?
Wie geht es dir mit der Vorstellung von „perfekt“? Was macht das Wort mit dir?
Mal am Rande gesagt ⚡ – Perfektionismus ist für viele Traumaüberlebende (und auch für andere Menschen) eine Überlebensstrategie, häufig unbewusst. Und sie wird von den allermeisten als extrem antreibend, kompromisslos und erschöpfend erlebt.
Warum also, sollten wir uns ein so perfektionistisches Ziel setzen??
Aber ist es nicht wichtig, dass ich mich gut im Blick habe?
In meinen Augen geht es bei der Einordnung dieser Frage um das „wie“ – WIE achte ich auf mich?
Wenn wir uns als „ganzes Wesen“ betrachten, uns also als Mensch mit Körper, Geist und Psyche/Seele wahrnehmen und dann noch eine wohlwollende Brille aufsetzen, dann bekommt die Selbstbeachtung schon einen ganz anderen Klang.
Worum geht es in unserem Körper-Geist-Seele-System?
Es geht ganz viel um innere Sicherheit und um Balance. Wenn wir in Balance sind, können wir klar denken, mitfühlend handeln, Entscheidungen treffen und fühlen uns wohl. Außerdem ist Balance der Nährboden für körperliche und psychische Gesundheit.
Darum finde ich es hilfreich einen Weg zu dieser Balance zu finden und diese in den Vordergrund zu spielen. Wir könnten auch sagen, dass es nicht darum geht besser zu werden, sondern (wieder) mehr Sicherheit und Balance zu erleben.
Vielleicht magst du dich einmal fragen – wann fühle ich mich in Balance?
Und vielleicht magst du die Aufforderungen zu Sport, Ernährung und Co. dann nochmal neu betrachten, also mit deiner Antwort auf die obige Frage im Gepäck.
- Welche Art und Menge an Sport sind für dich ganz persönlich gut?
- Was kannst du machen, ohne aus deiner Balance zu kommen? Ohne deine innere Sicherheit zu verlieren.
Vielleicht geht auch mal eine Zeit lang gar nichts? Auch okay. Vielleicht hat gerade etwas anderes Priorität?
Ich finde es hilfreich, wirklich reinzuspüren. Was tut MIR gerade gut. Unabhängig von der Meinung anderer und (wenn es beim Thema Sport/Bewegung ein Thema von dir ist) deinem Schweinehund .
Ein Beispiel für Selbstfürsorge von mir persönlich:
Nach einem ganzen Tag im Sitzen, hat mein Körper häufig das Bedürfnis sich zu bewegen und auch meinem Rücken merke ich es an.
In der Vergangenheit hatte ich ein eigenes Pferd, das versorgt und bewegt werden wollte und ich habe körperlich gearbeitet. Da war Bewegung nie eine große Herausforderung.
Durch meine Lebensveränderung durfte ich mir jetzt etwas suchen, was zu mir passt. Für mich ist es das Bouldern geworden. Das passt zu mir. Es macht mir Spaß, fühlt sich nicht wirklich nach Sport an, ich brauche meinen ganzen Körper, ich mache es zusammen mit lieben Menschen und die Stimmung in der Halle gefällt mir.

Manchmal ist es am Abend trotzdem schwer noch loszufahren. Dann spüre ich rein, was es ist, was mich gerade aufhält. Ist es mein Schweinehund oder passt es heute wirklich nicht? Mein Gefühl entscheidet dann für mich.
Damit es für dich „rund“ wird, ist es also wichtig, dass du es so entscheidest, dass es wirklich zu DIR passt und dass deine Bewegungs- oder Sportart deine Balance und innere Sicherheit fördert.
Wenn dein Sport zwar deiner körperlichen Gesundheit dient, weil du dich nochmal bewegt hast, der Preis aber ist, dass du absolut in Zeitstress kommst und in der Folge total aus dem Tritt bist. In eine Übererregung gerätst oder aber so sehr abschaltest, dass du gar nicht mehr mit dir verbunden bist, dann ist der Preis zu hoch! Dann hast du deine Balance verloren – und damit auch deine innere Sicherheit für den Moment.
Vielleicht wäre dann heute etwas anderes stimmiger. Was sagt dein inneres Gefühl?
Wie schon geschrieben, sitze ich an vielen Tagen sehr viel. Und auch ich weiß, dass der Körper es lieber anders hätte. Aber ich mache meine Arbeit gern und möchte sie auch weitermachen. Büroarbeit im Stehen zu machen, wäre eine Alternative. Das gefällt mir aber nicht. Morgens Übungen zu machen, hat sich für mich auch nicht bewährt. Das hält mich davon ab aufzustehen. Für mich ist die Lösung (jetzt gerade), dass ich zwischendurch immer mal eine Übung mache und ca. zwei Mal in der Woche zum Sport gehe.
Diese Lösung ist passend und gut für mich, und – GUT IST GUT GENUG!!
Sie ist für mich die Art, in der ich mich gerne um mich kümmern möchte. Das ist für mich Selbstfürsorge, ich sorge FÜR MICH, in Verbundenheit zu mir und in meiner persönlichen Balance.
Ohne den Anspruch auf Perfektion und „das Beste“.
So halte ich es auch mit anderen Lebens- und Themenbereichen (Ernährung, Achtsamkeit,…) und ich lade dich ein, das mal für dich auszuprobieren. Mit einer freundlichen Sicht auf dich selbst, mit einem Beginnergeist und in einer Ausprobier-Stimmung.
Versuche bei dir zu bleiben. Bei deinem Gefühl. Du bist die kundigste Person in deinem Leben!
Weniger Experten sind mehr
Vielen verschiedenen Fachleuten und Experten zu folgen oder sich von unterschiedlichsten Menschen beraten zu lassen, macht außerdem häufig viel Verwirrung und dann auch wieder Stress.
Wenn wir beispielsweise zig Ernährungsexperten auf Instagram folgen, verschiedenste Ansprechpartnerinnen für Frauengesundheit haben oder drei verschiedene Hundetrainer, dann kann uns das wirklich verwirren.
Frei nach dem Motto: 10 Leute, 20 Meinungen.
Das führt in aller Regel nicht zu einem Gefühl von Balance und Sicherheit, sondern fühlt sich eher überfordernd und vielleicht auch strudelig an 🌀.
Darum ist meine Einladung für dich, in Ruhe zu recherchieren:
- Wer kann mir helfen?
- Wer soll mein Ansprechpartner werden?
- Was ist mir konkret wichtig?
- Hat die Person das von mir gewünschte Fachwissen?
- Gibt es Referenzen?
- Kann ich Freunde nach ihrer Erfahrung fragen?
- Fühle ich mich gut aufgehoben?
- usw.
Wenn du jemand für dich passenden gefunden hast, dann vertraue dich ihr oder ihm an und blende die anderen (auch ungefragten Meinungen) aus. Natürlich bleibst du mit dir im Gefühl und in der Verbundenheit und wenn es nicht mehr passt, recherchierst du neu.
Diese Herangehensweise kann dazu führen, dass du mehr Klarheit und Ruhe empfindest und weniger „wenn und aber“. Das führt dann wiederum zu mehr Balance.
Ich empfinde es außerdem so, dass ein gut recherchiertes und geschriebenes Buch oft hilfreicher ist als das Folgen in den „sozialen“ Medien. Beim Lesen eines Buches ist das Risiko von ungefragten „Einwürfen“ geringer und wir schützen uns so vor Verwirrungen und innerlichem Stress.
Fazit: Selbstoptimierung vs. Selbstfürsorge
Bei der Selbstoptimierung geht es meist darum, besser zu werden, optimaler zu werden. Das macht uns schnell Stress und Druck und ich empfinde es nicht als sinnvoll und auch nicht traumasensibel.
Beim traumasensiblen Umgang mit sich selbst, geht es ja (ganz kurz gesagt) darum, dass wir dass was wir mit uns tragen, berücksichtigen und uns dementsprechend verhalten. So wie wir uns ja auch entsprechend verhalten würden, wenn wir ein Bein im Gips hätten.
Die Selbstfürsorge hat einen viel weicheren „Blick“ als die Selbstoptimierung. Hier geht es darum, in Verbundenheit mit uns selbst, zu spüren was gerade gut und hilfreich ist.
Selbstfürsorge geht noch weiter über die hier angerissenen Themen heraus. Mir ging es heute darum, sie einmal im Vergleich mit der Selbstoptimierung zu beleuchten.
Ich wünsche dir ein fröhliches Ausprobieren deiner Selbstfürsorge
Vielleicht hattest du etwas Freude beim Lesen meines Beitrages und vielleicht hast du Lust mal durch die fürsorgliche Brille auf dich zu schauen.
Wenn du bemerkst, dass dieses Thema viel schwerer für dich wiegt, als ich es hier beschreibe, könnte es sein, dass noch Themen darunterliegen. Wenn du magst, melde dich gern und wir schauen mal gemeinsam darauf 🫂.
Für einen weiteren Eindruck, könntest du auch schon mal auf meiner Angebotsseite schauen 😊.
In jedem Fall wünsche ich dir eine schöne und balancierte Zeit und alles Liebe für dich!
Deine Claudia 💜




