Insgesamt hängt das natürlich stark von der- oder demjenigen ab, der diese Begleitung anbietet. Ich möchte hier und heute gerne „erzählen“, was es für mich ist und wie ich diese Begleitung ausrichte.
Viele der nachfolgend genannten Aspekte sind auch für eine nicht explizit traumasensible Begleitungsarbeit wünschenswert oder sogar erforderlich, leider aber häufig anders zu erleben.
Grundsteine der traumasensiblen Begleitungsarbeit
In einer traumasensiblen Begleitung hat der Therapeut oder Coach Fachwissen zum Thema „Trauma“, er weiß damit umzugehen, kann es erkennen und arbeitet so, dass er Retraumatisierungen vermeidet.
Beim Fachwissen geht es um Themen zur Entstehung von psychischem Trauma, der entsprechenden Neurobiologie, um Abläufe im Gehirn und dem autonomen Nervensystem. Etwas geht es außerdem auch um die dazugehörige Biochemie, also um wirkende Botenstoffe im Körper. Da dieses Gebiet jedoch hochkomplex ist, wird ein „normaler“ Psychotherapeut oder traumasensibler Coach/Begleiter in aller Regel zwar über ein Grundwissen verfügen, es aber kaum in seiner erheblichen Komplexität und Tiefe erläutern können.
Bei der Begleitung von Menschen, die Traumafolgesymptome tragen, ist die Ausrichtung und Haltung der Begleitungsarbeit enorm wichtig. Menschen mit Trauma in ihrer Biografie haben häufig das Gefühl von Sicherheit (im innen und außen) verloren. Darüber hinaus fühlen sie sich oft unverbunden mit sich selbst und der Welt.
Diese Aspekte wollen in der Begleitung und Therapie berücksichtigt werden!
Das heißt, dass wir als Begleiterinnen und Begleiter sichere Menschen für unsere Klientinnen und Klienten sein müssen. Das kann, im Zusammenspiel mit der weiteren Begleitungs- oder Therapiearbeit, dafür sorgen, dass sich das Gefühl von Sicherheit und Verbundenheit in diesen Menschen Stück für Stück wieder etablieren kann.
Wie kann ich als Begleiter/in Sicherheit geben?
Hier sind verschiedene Aspekte wichtig – der vermutlich wesentlichste Aspekt ist, dass ich selber eine Person bin, die in ihrem Inneren sicher ist. Das ich mich sicher fühle. Dass mein autonomes Nervensystem wahrnimmt, dass ich gerade in Sicherheit bin. Mein Nervensystem also in Balance ist und auch während der Sitzung in Sicherheit und Balance bleibt. So kann das Nervensystem meines Gegenübers sich das „abgucken“. Passender wäre noch von „abspüren“ zu sprechen.
Unsere Nervensysteme sind darauf ausgelegt, andere Nervensysteme zu erspüren. Das ist wichtig um schnell und zuverlässig einordnen zu können, ob jemand gefährlich für uns ist oder nicht. Das ist eine angeborene Fertigkeit von uns Säugetieren.
Wenn also meine Klientin oder mein Klient unbewusst bemerken, dass ich eine sichere Person bin, dann kann ihr Nervensystem beginnen sich darauf einzulassen und sich Schrittchen für Schrittchen einlassen und selber wieder mehr Sicherheit entwickeln (als ein Teil des Prozesses).
Darüber hinaus geht es darum, Sicherheit durch mein Sein auszudrücken. Durch wirkliche Verbundenheit und ein echtes Einlassen auf mein Gegenüber. Durch Verbindlichkeit, Berechenbarkeit, Transparenz, Zuverlässigkeit, echtes Wohlwollen und Mitgefühl.
Traumasensibilität ist eher eine Haltung als eine Arbeitsweise.
Dieses Sein beginnt bei der ersten Kontaktaufnahme und Terminvergabe, geht weiter in der Begrüßung und Begleitungsarbeit vor Ort und setzt sich fort in der Verabschiedung und verabredeten Erreichbarkeit zwischen den Sessions sowie der Verbindlichkeit von gemachten Terminen.
Alles sollte von diesen Überschriften durchdrungen und geprägt sein.
Die Wichtigkeit von Verbundenheit in der traumasensiblen Begleitung
Die Wiederherstellung oder auch das erstmalige Erleben von Verbundenheit ist ein so essentieller Punkt. Hierbei geht es häufig zuerst um das Gefühl der Verbundenheit zwischen den Klienten und ihren Begleitern. Später dann auch um die Verbindung von den Klientinnen und Klienten zu sich selbst. Im weiteren Prozess ergibt sich dann vielleicht auch wieder die Möglichkeit eine Verbundenheit mit anderen Menschen zu spüren und zu leben.
Verbundenheit erleben wir nicht durch eine Intervention oder Übung. Es ist ein Zustand, der sich nach und nach einstellt und ein Prozess ist.
Da, wie bereits weiter oben geschrieben, unsere autonomen Nervensysteme sich gegenseitig lesen können und es auch tun, ist es wichtig, dass wir als traumasensible Begleiter/in mit uns selbst gut verbunden sind. Diese Verbundenheit bemerkt unser Gegenüber unbewusst und dies gibt ihrem oder seinem System die Möglichkeit des Kennenlernens dieses Zustandes.
Das verbundene Begleiten meiner Klientinnen und Klienten meint, dass ich mich als Begleiterin wirklich auf meine Klientinnen und Klienten einlasse und mit ihnen fühle. Hierbei geht es nicht um ein „Hineinfallen“ in die Sorgen und Nöte unseres Gegenübers. Gemeint ist hier das tatsächliche Mitfühlen, ohne dass wir es zu unserem Thema machen.
Dafür sind die eigene innere Sicherheit und ein Nervensystem, das sich in Balance befindet unabdingbare Grundlagen.
Zweifellos sind auch Therapeutinnen/Therapeuten und Coaches nie „fertig“ mit ihren eigenen Themen. Es ist jedoch unausweichlich, dass sie diese für ein weites Stück bearbeitet und integriert haben. Darüber hinaus ist es von hoher Wichtigkeit, dass sie sich ihrer eigenen Themen und damit auch möglicher Auslösereize bewusst sind!
Nur so können wir gewährleisten, dass wir nicht während der Zusammenarbeit in einen möglichen Strudel geraten.
Natürlich stellen wir die besprochene Verbundenheit in Teilen auch dadurch her, dass wir mit all unseren Sinnen präsent sind, uns ganz auf die Person einlassen und nicht gedanklich schon im Feierabend oder im nächsten Termin sind.
Viele Menschen, die unter (frühen) Traumatisierungen und deren Folgen leiden, fühlen sich nicht gesehen. So wie sie sind. Mit dem, was sie tragen und daraus gemacht haben. Es kann ein heilsamer erster Schritt sein, endlich gesehen zu werden – ohne Be- oder Verurteilung. Das ist ein enorm wichtiger Anteil einer traumasensiblen Begleitung!
Wie ist meine traumasensible Praxis eingerichtet?
Bei der Einrichtung meiner Praxis habe ich darauf geachtet, dass sie warm und einladend und nicht überladen ist.
Wenn es sehr viele Dinge zu betrachten gibt, es zu „wuselig“ ist, dann ist es für unser Nervensystem viel schwieriger Sicherheit zu empfinden. Das Abscannen der Raumsituation ist dann viel aufwändiger und ist im schlechtesten Fall innerhalb der Sitzung gar nicht zu bewältigen.
Außerdem stelle ich meine Möbel nicht unangekündigt um oder dekoriere neu.
Für Klientinnen und Klienten mit einem Nervensystem, dass ständig nach Gefahr sucht (ein nicht ungünstig geprägtes autonomes Nervensystem hält eher Ausschau nach der Abwesenheit von Gefahr und sucht nicht ständig nach dieser) wäre dies sehr anstrengend. Es könnte dann zu Momenten der gefühlten Unsicherheit kommen, die unseren gemeinsam aufgebauten Prozess verlangsamen oder stören könnten.
Vorhersehbarkeit und Beständigkeit sind somit wichtige Aspekte.
Um die Vorhersehbarkeit der Optik meiner Praxisräume auch im ersten Termin ein Stück weit gelingen zu lassen, habe ich aktuelle Fotos meiner Praxis auf meiner Website. So können neue Klientinnen und Klienten schon mal schauen, was sie erwartet.
Was meine einladende Haltung mit Traumasensibilität zu tun hat
Als einen weiteren wichtigen Punkt in meiner Aufzählung möchte ich meine einladende Haltung nennen.
Hier geht es darum, dass alles, was wir innerhalb unserer Zusammenarbeit tun, einer ausgesprochenen und auch so gemeinten Freiwilligkeit und Wählbarkeit unterliegt.
Das sollte natürlich in jeglicher Zusammenarbeit so sein und ist vermutlich auch in den allermeisten Fällen so gemeint – das Wording ist jedoch anders.
Und das macht einen großen Unterschied.
Denn viele von uns, sind sehr „brave“ Klientinnen und Klienten und versuchen die Anleitungen der Therapeuten und Coaches umzusetzen, auch wenn wir innerlich spüren, dass es uns damit nicht so richtig gut geht. Es geht uns zum Beispiel nicht gut, mit der Meditation im Sitzen oder mit geschlossenen Augen.
„Setze dich bequem hin und schließe deine Augen“ löst ein anderes Gefühl und eventuell auch einen anderen Nervensystemzustand aus als ein „Guck mal, wie du bequem sitzt oder liegst und probiere gerne aus, ob du deine Augen schließen möchtest oder sie lieber auf einem Gegenstand im Raum ruhen lassen möchtest.“
Vielleicht magst du dir die beide Sätze einmal innerlich vorsagen und den Unterschied für dich erspüren?
Bevor ich diese Einladung ausspreche, erzähle ich kurz, worum es in der folgenden Intervention gehen wird. Was meine Klientin oder meinen Klienten gleich erwarten wird und wie lange es ungefähr dauert. Durch diese Herangehensweise entsteht eine Voraussehbarkeit und es kann ein sichereres Gefühl entstehen.
Die Suche nach dem guten Grund als ein Teil der traumasensiblen Haltung
Wenn du mir schon länger folgst und meine Artikel liest, hast du schon öfter davon gehört – die Suche nach dem guten Grund.
Für mich ein weiterer unsagbar wichtiger Blickwinkel auf das, was wir in der Folge unseres Erlebten entwickelt haben – Überlebensstrategien und Anpassungsleistungen.
Die Veränderung unserer Perspektive kann einen großen Wandel mit sich bringen. Wenn wir erkennen, dass unsere Ängste, unser Perfektionismus, unsere Depression nicht gegen uns ist, sondern sich entwickeln musste, um uns zu retten.
ES IST PURE ÜBERLEBENSENERGIE!
Das Forschen nach dem guten Grund empfinde ich als sehr schmerzlindernd und hilfreich:
🧐 Wodurch habe ich dieses Muster entwickelt?
🧐 Wovor hat es mich geschützt?
🧐 Was hätte sonst passieren können?
🧐 Wie würde es mir heute gehen, hätte ich diese Strategie nicht entwickelt?
🧐 …
Mit dem Erkennen des Hintergrundes der Strategie oder des Musters kann häufig ein Annehmen dessen, was da ist, beginnen.
Als Prozess, nicht als Umschalter.
Dieses Annehmen kann dann wiederum sehr hilfreich sein und hat eine integrative Kraft. Es löscht nicht aus, was ist, es verändert den Umgang damit. Es kann dazu führen, dass wir unser „so Sein“ nicht mehr ausradieren wollen oder die Strategien wegmachen möchten, sondern beginnen mit ihnen und uns umzugehen.
Dadurch haben unsere Strategien die Möglichkeit milder zu werden, weniger laut zu sein. Sie trauen uns Stück für Stück zu, selber die Zügel in die Hand zu nehmen und lassen uns neue Wege beschreiten.
Es entstehen neue Verknüpfungen von Nervenzellen im Gehirn und es können mit der Zeit immer stabilere Netzwerke entstehen. Damit können unsere neuen Wege die alten Strategien und Muster ablösen. Stück für Stück. Schrittchen für Schrittchen. Im Prozess.
Ein heilsamer Weg, der Zeit braucht und Muße. Und er freut sich über Nachsichtigkeit von dir selbst 🥰. Schön, dass du auf deinem Weg bist!
Alles Gute für dich
Ich hoffe, dass dir mein Artikel etwas mehr Klarheit gebracht hat im Bezug auf die traumasensible Begleitung und danke dir für dein Interesse an meinem Tun.
Für deinen ganz persönlichen Weg wünsche ich dir alles, alles Gute!
Herzlichst,
Deine Claudia 💜
Autorin: Claudia Süsens
https://coachingpraxis-
Hallo feiner Mensch, ich bin Claudia. Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coach für ganzheitlich-integrative Traumaarbeit und Karriere-Navigator-Coach.
Ich begleite und unterstütze dich während Verarbeitungsprozessen, bei persönlichen oder beruflichen Herausforderungen und Krisen. Achtsam, traumasensibel und zugewandt.
Vielen Dank für Dein Interesse, ich freue mich, dass Du hier bist!





