Vielleicht geht es dir auch so, dass die bevorstehenden Feiertage, von denen viele in so warmen Tönen sprechen, einfach nur schwer und belastend sind?
Vielen meiner Klientinnen und Klienten geht es so und darum möchte ich mich diesem Thema heute einmal widmen.
Wenn du magst, schauen wir mal drauf, warum diese Zeit häufig so schwierig ist und auch, was du vielleicht tun kannst, damit du etwas leichter durch diese Tage kommst.
Während des Schreibens, wurde für mich schnell sichtbar, dass der Artikel zu lang werden würde, daher entsteht mal wieder ein Mehrteiler 😉.
Warum fühlt sich Weihnachten so schwer an?
Ich denke, dass es dazu unglaublich viele Erklärungsversuche und Gedanken gibt. Ich möchte heute einige meine Gedanken dazu teilen und damit auch die Stimmen, die mir in meiner Praxis häufig begegnen.
Eine Herausforderung ist in meinen Augen, dass viele von uns große Erwartungen an die Weihnachtsfeiertage und auch an die Vorweihnachtszeit haben und dadurch viel Druck entsteht.
Ein weiteres, schwerwiegendes Thema ist, dass uns an solchen Tagen häufig unsere eigenen Wunden sehr bewusst werden. Besonders dann, wenn diese noch nicht gut heilen konnten.
Ich würde gerne nacheinander auf diese beiden Punkte schauen und in diesem Artikel mit „unseren Erwartungen“ starten.
Achte gut auf dich!
Du kennst das schon von mir und trotzdem werde ich nicht müde, dich immer wieder darauf hinzuweisen – achte gut auf dich.
Dieser Artikel enthält Einladungen zum Reflektieren und Nachspüren. Tue das bitte nur, wenn du eventuell aufkommende Gefühle gut halten und balancieren kannst.
Manchmal ist es sinnvoll, solche Fragen gemeinsam mit einer vertrauten Person zu erforschen, sie auf einen anderen Tag zu verlegen oder auch, sie gemeinsam mit einem Therapeuten oder Coach zu bewegen.
Du musst es nicht alleine schaffen! Achte bitte gut auf dich!
Weihnachten und Erwartungen
Ich empfinde es so, dass bei uns in Deutschland an keine anderen Feiertage solch große Erwartungen geknüpft werden, wie an Weihnachten und die dazugehörige Zeit davor und danach. Und das gesamtgesellschaftlich:
🎄in der Fernsehwerbung sitzen alle harmonisch zusammen,
🎄bei Rosamunde Pilcher sowieso (nachdem die Tränen getrocknet wurden),
🎄überall wird von Besinnlichkeit, Freude und Festlichkeit gesprochen,
🎄die Storys und Statusmeldungen sind voller fröhlicher Weihnachtsmarktbesuchsbilder,
🎄die Kollegin erzählt jeden Montag vom besonders schönen Adventswochenende….
Also – scheinbar haben es alle richtig schön und gemütlich. Dieser Gedanke kann viel Druck machen, gerade wenn bei dir von Besinnlichkeit und Leichtigkeit gerade nichts zu spüren ist. Das kann zu Frust führen und auch zu einer hohen Erwartungshaltung an uns selbst.
Denn das, was „alle“ haben, willst du auch.
Das macht evolutionär gesehen auch total Sinn (und deshalb ist dieser innere Druck auch total logisch). Denn wenn wir zu Urzeiten aus der Menge „gefallen“ wären und Dinge anders gemacht hätten, wäre es für uns wirklich lebensgefährlich geworden.
Jetzt dürfen wir unserer inneren Stimme also liebevoll sagen, dass es heute anders ist. Dass wir unser Weihnachten so feiern dürfen, wie wir es wollen und dabei trotzdem in Sicherheit bleiben.
Sicherheit ist hier ein wichtiges Stichwort.
Die Sache mit der Sicherheit
Kennst du in dir ein Gefühl von Sicherheit? Kannst du innere Sicherheit wahrnehmen?
Nimm dir gern einen Momente Zeit und sinniere dieser Frage einmal nach.
Sie klingt vielleicht banal oder auch irgendwie komisch? Und doch ist sie so unglaublich wichtig und erklärend für so viele Symptome und „Vorkommnisse“. Denn wenn wir keine echte innere Sicherheit empfinden, also eine Sicherheit, die aus unserem System entspringt, dann müssen wir anderweitig Sicherheit kreieren.
Häufig entsteht daraus jedoch eine Scheinsicherheit.
Zum Beispiel die Scheinsicherheit, dass ich sicher bin, wenn ich es mache wie „alle“.
Puh – wenn du das kennst, dann halte auch hier gerne einmal inne, denn das ist wirklich anstrengend und schwer!! Welch ein Kraftakt, den du da wuppst!
Wie kommst du aus diesem Muster heraus und wie kannst du dir echte Sicherheit kreieren? Wie du vielleicht schon ahnst, braucht das ganz verschiedene und auch individuelle Schritte. Die genauen Ausführungen der Möglichkeiten und Ideen dazu, würden diesen Artikel überstrapazieren. Darum lass uns heute gemeinsam auf eine Idee schauen.
Es geht um deine Zuwendung: Dir deinem Muster, deiner Strategie bewusst zu werden und dich dieser wohlwollend, vielleicht sogar liebevoll zuzuwenden.
Wenn du magst, probiere es gerne einmal aus.
Vielleicht magst du dafür einmal eine Hand auf deine Brust legen und deinem Atem nachspüren. Ihn nicht verändern wollen, rein spüren, dass er da ist. Vielleicht kannst du deinen Körper auch einmal bewusst wahrnehmen. Wie fühlt er sich gerade an? Was nimmst du wahr? Auch hier bleibe sehr gerne in der ausschließlichen Wahrnehmung, es geht hier nicht um eine Bewertung oder Einordnung. Wenn du auf diese Art und Weise einen Moment mit dir selbst verbracht hast, spüre mal, ob du dir selbst sagen kannst:
„Das Erfüllen von Erwartungen mache ich, um mir selbst Sicherheit zu kreieren. Diese Strategie hat meine Psyche für mich entwickelt, um Sicherheit zu empfinden.“
Spüre gern einmal nach, wie das für dich ist.
💞Was passiert, wenn du dir das sagst?
💞Was spürst du dabei im Körper?
💞Wo spürst du es?
Es ist so hilfreich zu erkennen, dass unsere Strategien FÜR uns sind. In aller Regel geht es um das Herstellen von Sicherheit. Da diese Strategien meist während mangelvollen Zeiten entstanden sind, sind sie sehr treu und rigide. Eben echte Überlebenshelfer. Du hast es dir nicht ausgesucht, sie sind autonom entstanden.
Das wohlwollende Anerkennen dieser Strategien und das liebevolle Kontaktaufnehmen (wie oben beschrieben, mit dem inneren Satz und dem Körpergefühl) kann ein sehr hilfreicher Schritt sein, um sie zu flexibilisieren und zu verändern.
Innerlich zurücktreten
Vielleicht magst du als zweite Idee, innerlich einmal zurücktreten und dich dann fragen:
Angenommen, ich wäre vollkommen losgelöst von meinen eigenen Erwartungen und auch von denen anderer Menschen, wie würde ich dann MEIN Weihnachten und meine Adventszeit gestalten?
Wenn du magst, schreibe dir deine Gedanken dazu gerne auf. Das bringt dir noch mehr Klarheit und auch Verbindlichkeit. Manchmal fließen beim Schreiben auch noch weitere Gedanken aus dem Stift heraus, die du jetzt noch gar nicht erwartest.
Wenn du jetzt über deine Aufschreibungen schaust – was davon kannst du in diesem Jahr vielleicht umsetzen? Vielleicht auch nur teilweise? Was kannst du anders machen? So dass es dir eher entspricht? Vielleicht ist es erstmal nur ein kleiner Punkt – aber es ist einer und er ist ein Anfang 💫.
Wenn du magst, wende dich auch jetzt noch einmal dir selbst zu und bedanke dich bei dir selbst für die Zeit, die du dir gerade genommen hast und noch immer nimmst.
Hineinhorchen
Vielleicht bemerkst du bei meinen Aufschreibungen auch, dass dich das gar nicht anspricht und dass es bei dir scheinbar um etwas anderes geht.
Dann darfst du einmal hineinhorchen in dein „Erwartungen erfüllen wollen“ und dich fragen: „Welches Gefühl entsteht, wenn ich das nicht mache?“
Wie lautet deine Antwort? Auch hier können schmerzhafte Antworten zum Vorschein kommen und ich bitte dich, gut für dich zu sorgen, gut auf dich zu achten und diese Fragen ggf. zu überspringen.
Häufige Antworten auf diese Frage sind:
- Dann bin ich kein guter Elternteil/Partner/Partnerin….
- Dann bin ich nicht gut genug.
- Dann braucht mich keiner mehr.
- Dann verliere ich meinen Wert.
- …
Was ist deine Antwort?
Notiere sie dir gern. Dann tritt innerlich einmal zwei Schritte zurück und stelle dir vor, du wärst dein Berater oder deine Beraterin. Ganz sachlich, fachlich fundiert, ohne emotionale Eindrücke. Was sagt diese Beraterin/dieser Berater? Stimmt deine Antwort?
Durch diese Frage und die Antwort deines Beraters/deiner Beraterin kannst du dir selber auf die Schliche kommen. Sehr wahrscheinlich, wäre es sehr hilfreich mit der Stimme, die die erste Antwort gegeben hat, mal zu sprechen und mit ihr zu arbeiten. Vermutlich ist diese Stimme mit einer alten Strategie unterwegs oder auch mit einem alten Glaubenssatz. Und diese lenken dich und führen dazu, dass du so belastend über dich und dein Tun oder Nicht-Tun denkst.
Auch wenn sie heute destruktiv wirken, entstanden sind sie jedoch irgendwann mal, um dir zu helfen und vielleicht sogar, um dich zu retten.
Ich ermuntere dich von Herzen dazu, dir für das Bewegen und Erforschen dieser Strategien und Glaubenssätze Unterstützung zu holen. Das ist unter Umständen sehr schmerzhaft und darum wichtig, dass du dabei nicht allein bist!.
Wenn du spürst, dass du gerne jetzt direkt etwas tun möchtest, könntest du deine Strategie oder deinen Glaubenssatz innerlich anerkennen oder freundlich bemerken, dass sie/er da ist.
Damit diese Anerkennung ankommt, ist es wichtig, dass du sie fühlst und in diesem Moment wirklich bei dir bist. Wenn wir solche Anerkennungen als reine Übungen absolvieren, verpuffen sie. Sie brauchen Verbindung zu uns selbst und Zeit 🫂.
Wenn du soweit bist, versuche mal, innerlich zu dir und deinem Glaubenssatz, deiner Strategie zu sagen: „Ich sehe/spüre dich. Danke, dass du mir geholfen hast.“
Wenn der Satz für dich so nicht stimmig ist, spüre mal, wie er stimmig wäre. Vielleicht: „Ich beginne dich zu sehen und anzuerkennen.“
Wie passt der Satz für dich? Versuche deinen Satz positiv und für dich selber glaubhaft zu formulieren.
Die Anerkennung deiner Strategie oder deiner inneren Überzeugung verändert häufig schon viel und kann ein erster Schritt in Richtung Integration sein. Ein Schritt der einfach klingt, vielleicht sogar zu einfach, um hilfreich sein zu können, der aber Großes bringen kann.
Alles Gute für dich
Ich wünsche dir hilfreiche Erkenntnisse sowie Mut und Kraft für deinen ganz persönlichen Weg! Im nächsten Artikel schauen wir uns dann „Weihnachten und unsere inneren Wunden“ an. Ich würde mich freuen, wenn du auch dann wieder dabei bist!
Bis dahin wünsche ich dir eine gute Zeit und alles Liebe für dich,
Deine Claudia 💜
Autorin: Claudia Süsens
https://coachingpraxis-
Hallo feiner Mensch, ich bin Claudia. Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coach für ganzheitlich-integrative Traumaarbeit und Karriere-Navigator-Coach.
Ich begleite und unterstütze dich während Verarbeitungsprozessen, bei persönlichen oder beruflichen Herausforderungen und Krisen. Achtsam, traumasensibel und zugewandt.
Vielen Dank für Dein Interesse, ich freue mich, dass Du hier bist!





